Was ist ein Prädiktives Genetisches Testverfahren?

Hier finden Sie Informationen über prädiktive genetische Testverfahren, die andere Krankheiten als Krebserkrankungen betreffen. Damit soll es Ihnen erleichtert werden, sich Fragen wie folgende zu beantworten:

  • Was ist ein prädiktives genetisches Testverfahren?
  • Warum entscheiden sich manche Menschen, einen solchen Test durchführen zu lassen?
  • Was sollte man alles bedenken, wenn man sich mit dem Gedanken trägt, ein prädiktives genetisches Testverfahren vornehmen zu lassen?

Teil 1 Unsere Gene

Gene und Chromosomen

Unser Körper besteht aus Millionen von Zellen. Die meisten Zellen enthalten den vollständigen Satz unserer Gene, das gesamt menschliche Genom. Wir haben Tausende von Genen. Gene geben die Anweisungen, die unser Wachstum und unsere Körperfunktionen regulieren. Sie sind für viele unserer Eigenschaften, wie z.B. die Augenfarbe, Blutgruppe oder die Größe verantwortlich.

Die Gene befinden sich als festverdrillte Strukturen im Innern des Zellkerns. Sie werden "Chromosomen" genannt. In der Regel haben wir in den meisten Zellen 46 Chromosomen. Wir erben die Chromosomen von unseren Eltern, jeweils 23 von unserer Mutter und unserem Vater, sodass wir zwei Sätze von je 23 Chromosomen oder 23 Chromosomenpaare haben. Weil die Chromosomen aus Genen bestehen, erhalten wir zwei Kopien von den meisten Genen, je eine Kopie von jedem Elternteil. Das ist der Grund weshalb wir oft ähnliche Eigenschaften wie unsere Eltern haben. Die Chromosomen und Gene bestehen aus einer chemischen Substanz, der DNA (DNA ist die Abkürzung der englischen Bezeichnung für Desoxyribonukleinsäure).

Abb. 1: Gene, Chromosomen und DNA

Manchmal tritt eine Veränderung (Mutation) in einem (oder auch in beiden) Kopien eines Gens auf oder sie wird vererbt. Die olge ist, dass das Gen nicht mehr richtig funktioniert. Eine solche Veränderung kann eine genetisch bedingte Störung zur Folge haben, weil das entsprechende Gen dem Körper nicht mehr die korrekten Anweisungen gibt. Es gibt Tausende genetisch bedingter Störungen, einige Beispiele sind: Mukoviszidose (Zystische Fibrose), Muskeldystrophie und Huntington’sche Krankheit. Manche dieser Störungen bestehen von Geburt an, andere entwickeln sich später im Verlaufe des Lebens. In diesem Informationsblatt werden überwiegend solche Störungen behandelt, die später im Lauf des Lebens auftreten.

2. Abschnitt: Das Testverfahren

Was ist ein prädiktives genetisches Testverfahren?

Ein prädiktives genetisches Testverfahren oder ein präsympto- matischer genetischer Test kann Informationen darüber liefern, 3 ob ein Mensch im Laufe seines späteren Lebens eine bestimmte genetische Störung entwickeln wird, bzw. ob dafür eine Wahrscheinlichkeit besteht oder nicht. Üblicherweise verwendet man für den Test eine Blutprobe. Das Blut wir in einem humangenetischen Labor daraufhin untersucht, ob Veränderungen in dem spezifischen Gen oder. in den Genen, die mit der Krankheit in Zusammenhang stehen, aufgetreten sind. Im Informationsblatt "Was geschieht Labor eines Human- genetischen Instituts" finden Sie mehr Informationen darüber, wie Gene analysiert werden.

Was könnte dafür sprechen, einen prädiktiven genetischen Test durchführen zu lassen?

Wenn in Ihrer Familie eine genetische Störung auftritt, und das veränderte Gen bekannt ist, das die Störung hervorruft, dann könnte mit einem prädiktiven genetischen Test geprüft werden, ob Sie das veränderte Gen geerbt haben. Falls bei Ihnen eine der folgenden Bedingungen zutrifft, könnten Sie daran denken, einen solchen Test vornehmen zu lassen:

  • 1. Wenn die entsprechende Störung durch Präventivmaßnahmen verhindert oder ihre Symptome wirksam behandelt werden können; oder …
  • 2. …die Störung weder durch Präventivmaßnahmen verhindert, noch ihre Symptome wirksam behandelt werden können, aber …
    • … Sie diese Information dennoch haben möchten, um eine Entscheidung hinsichtlich zukünftiger Kinder treffen zu können bzw. um mehr über das Erkrankungsrisiko Ihrer Kinder zu erfahren.
    • … Sie der Ansicht sind, dass es Ihnen helfen könnte, wichtige Entscheidungen für Ihr weiteres Leben, einschließlich Ihrer Krankenversorgung, zu treffen, wenn Sie um die Wahrscheinlichkeit wissen, die entsprechende Krankheit zu entwickeln.
    • … Sie zu den Menschen gehören, die es vorziehen, Ihre Zukunft zu kennen und die lieber mit der Gewissheit, als mit der Ungewissheit leben möchten.

Welche Störungen können mit Hilfe von prädiktiven genetischen Testverfahren erkannt werden?

Es gibt eine Vielzahl von Störungen, für die prädiktive genetische Tests zur Verfügung stehen. Einige Beispiele sind:

  • 1) Bestimmte Krebsarten (weitergehende Informationen finden Sie im Informationsblatt Präsymptomatische genetische Testsverfahren bei erblichen Krebserkrankungen)
  • 2) Störungen, die das Nervensystem betreffen (neurologische Störungen) wie:
    • Huntington’sche Krankheit
    • Hereditäre Ataxie und spastische Paraplegie
  • 3) Störungen, die die Muskeln betreffen (Neuromuskuläre Erkrankungen) wie:
    • Myotone Dystrophie
    • Fascio-scapulo-humerale Muskeldystrophie
  • 4) Störungen, die das Herz betreffen (kardiale Erkrankungen) wie:
    • Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM)
    • Langes QT- Syndrom

Was bedeutet hier “Risiko”?

In den meisten Fällen (abgesehen von Krebs), bedeutet der Besitz des veränderten Gens, dass Sie die entsprechende Störung entwickeln werden. Es ist jedoch noch nicht möglich, vorherzusagen, in welchem Alter Sie die Krankheit entwickeln, wie sehr Sie betroffen sein und wie schnell sich die Symptome ausprägen werden.

Falls Sie vermuten, dass Sie betroffen sein könnten, und Sie sich deshalb mit dem Gedanken tragen, einen prädiktiven 5 genetischen Test wegen einer der genannten Störungen vornehmen zu lassen, sollten Sie einen Termin mit einem Humangenetischen Institut oder bei einer(m) Fachärztin(-arzt) für Humangenetik vereinbaren.

Das Genetische Testverfahren

Ehe ein prädiktives genetisches Testverfahren vorgenommen werden kann, muss gesichert werden, dass Sie betroffen sein können und - falls das der Fall ist - nach welchem veränderten Gen gesucht werden soll, wenn Sie sich dem Testverfahren unterziehen. Deshalb wird zunächst eine Familienanamnese durchgeführt. Danach wird zuerst ein von der Störung betroffener naher Verwandter von Ihnen getestet, um das veränderte Gen zu identifizieren.

Einen genetischen Test durchführen zu lassen, ist und bleibt Ihre Entscheidung. Sie sollten ihn nie vornehmen lassen, wenn Sie das Gefühl haben, unter Druck von Ärzten, Familienmitgliedern oder Freunden zu stehen. Es ist außerdem ein längerer Prozess der unter Umständen mehrere Termine bei einer(m) Fachärztin (- arzt) für Humangenetik beinhalten kann sowie Monate des Wartens auf die Laborergebnisse. Sie müssen damit rechnen, dass Sie Informationen erhalten werden, die Ihnen sehr neu und äußerst kompliziert erscheinen, so dass Sie eventuell Schwierigkeiten haben werden, sie völlig zu verstehen. Es ist deshalb sicher sinnvoll eine Person Ihres Vertrauens, eine(n) Freund(in) oder Ihren Partner zu Ihren Terminen mitzunehmen, die Sie bitten können, Notizen zu machen. Es ist wichtig, dass Sie die Probleme der genetischen Untersuchung mit einer(m) qualifizierten Fachärztin (-arzt) für Humangenetik besprechen können. Diese Ärzte können Ihnen die Informationen geben, die Sie benötigen, um die für Sie richtige Entscheidung zu treffen. Sie können Ihnen natürlich auch dabei behilflich sein, die emotionalen Probleme zu besprechen, die auftreten können sowie darüber hinaus auf alle Ihre Fragen und Befürchtungen eingehen.

Bitte denken Sie daran, wenn Sie die Testergebnisse erhalten haben, gibt es für Sie kein Zurück zum früheren Zustand mehr. Deshalb müssen Sie die Hauptprobleme gut durchdacht haben, bevor Sie eine Entscheidung fällen. Einige dieser Probleme finden Sie nachfolgend dargestellt. Möglicherweise ergeben sich daraus für Sie ein paar wichtige Fragen, über die Sie nachdenken sollten und die Sie eventuell besprechen möchten. Die Liste der Probleme ist natürlich nicht vollständig, auch werden nicht alle Punkte für Sie von Bedeutung sein.

3. Abschnitt: Die Entscheidungsfindung

a) Behandlung und Prävention

Gibt es eine Behandlungsmethode oder läßt sich die Erkrankung mit Präventivmaßnahmen verhindern?

Falls Sie das veränderte Gen haben, muss herausgefunden werden, ob ein Behandlungsverfahren für die Störung existiert, oder ob Möglichkeiten zur Verringerung des Erkrankungsrisikos bestehen. Zu wissen, dass eine Behandlungsmöglichkeit existiert, könnte Ihnen bei der Entscheidungsfindung behilflich sein.

Manche genetisch bedingte Krankheiten wie z.B. die erwähnten Herzerkrankungen, lassen sich zwar nicht heilen, sie können aber mit Medikamenten, besonderen Schrittmachern oder auch - in manchen Fällen - mit chirurgischen Eingriffen behandelt werden.

Bei anderen genetisch bedingten Störungen, wie etwa der Huntington’schen Krankheit, gibt es keine Behandlungsmöglichkeit, die das Fortschreiten der Erkrankung 7 verlangsamen könnte. Allerdings sind manchmal einige der Symptome teilweise mit Medikamenten behandelbar. Dennoch wird für Sie der Nutzen, zu wissen, dass Sie das veränderte Gen besitzen, vermutlich eher im Bereich emotionaler Befindlichkeit liegen bzw. Ihnen vor allem dabei helfen, einen Plan für Ihre Zukunft zu entwickeln.

b) Unsicherheit in der Genetik

Unsicherheit der genetischen Testergebnisse und der Störung

Ergebnisse von prädiktiven genetischen Tests sind mit einer gewissen Unsicherheit behaftet, wenn diese auch nur sehr gering ist. Wenn man das veränderte Gen besitzt, bedeutet es für gewöhnlich, dass man die genetische Störung mit ziemlicher Sicherheit entwickeln wird. Es ist aber nach wie vor schwierig, vorherzusagen, wann die Störung auftreten wird, wie schwer jemand betroffen sein wird, und wie schnell sich die Symptome ausprägen werden.

Bitte beachten Sie, in wissenschaftlicher Ausdrucksweise bedeutet ein positives Testergebnis, dass Sie das veränderte Gen HABEN. Ein negatives Ergebnis bedeutet, dass Sie das veränderte Gen NICHT HABEN. Für die allermeisten Testsergebnisse gibt es nur eine dieser beiden Alternativen.

Es kommt aber auch manchmal noch eine dritte Möglichkeit vor, sozusagen eine Grauzone, das „intermediäre“ Testergebnis. Das bedeutet, es wurde zwar ein verändertes Gen gefunden, es ist aber nicht eindeutig entscheidbar, ob das Gen die Störung verursachen wird. So ein Ergebnis tritt zwar selten auf, es ist aber äußerst frustrierend, ein solches Ergebnis zu erhalten.

Sie sollten alle diese Möglichkeiten mit der(m) Fachärztin(-arzt) für Humangenetik besprechen, wenn Sie beabsichtigen, sich einem genetischen Testverfahren zu unterziehen.

c) Der Umgang mit den Ergebnissen

Wie könnte mich das Ergebnis eines genetischen Testverfahrens emotional beeinflussen?

Bevor Sie die Entscheidung treffen, ein genetisches Testverfahren vornehmen zu lassen, sollten Sie versuchen, sich vorzustellen, in welcher Weise Sie emotional von den möglichen Ergebnissen des Tests beeinflusst werden könnten, und das danach mit einer(m) Fachärztin(-arzt) für Humangenetik besprechen. Es wäre zu empfehlen, dass Sie sich daran erinnern, wie Sie in der Vergangenheit auf eine gute bzw. schlechte Nachricht reagiert haben. Wenn Sie sich Ihre damalige Reaktion vergegenwärtigen, könnte es Ihnen das helfen, zu entscheiden, ob es eventuell für Sie besser wäre mit der Ungewissheit des Nichtwissens zu leben, oder ob es für Sie in jedem Fall besser wäre, Gewissheit zu haben, egal wie das Ergebnis auch ausfällt. Machen Sie sich aber ganz klar, dass wir alle unterschiedlich reagieren und dass es für solche Fälle keine „normalen“ Reaktionen gibt.

Es folgen hier noch einige bedenkenswerter Sachverhalte:

Wie würde ich wohl auf ein Ergebnis reagieren, dass besagt, ich trage das veränderte Gen?

Manche Menschen ziehen sogar ein Ergebnis, das zeigt, dass sie das veränderte Gen tragen, dem Stress und der Angst vor, die durch Ungewißheit hervorgerufen werden kann. Für sie kann mehr „Informationen“ zu haben, entlastend sein, unabhängig vom Inhalt dieser Informationen.

Andere Menschen berichten von einem Gefühl der Erleichterung, wenn sie erfahren, dass sie ein hohes Risiko für eine genetische Störung haben, die behandelbar ist. Sie erleben diese Information als hilfreich, weil sie nun alles in ihrer Macht Stehende tun können, um gesund zu bleiben. Bei anderen, die ein verändertes Gen haben, das eine nicht behandelbare Störung verursacht, kann ein solches Ergebnis dazu führen, dass sie die Störung als bereits existent erleben. Sie werden von der Frage beherrscht „Wann genau wird es bei mir losgehen?“ Diese Erfahrung kann sehr belastend sein.

Andere Menschen wiederum erleben eine Art Schock, wenn sie erfahren, dass sie das veränderte Gen haben. Sie fühlen sich allein gelassen, verängstigt, wütend oder auch voller Scham. Fachärzte für Humangenetik und andere professionelle Berater und Psychologen haben Erfahrungen, Menschen in diesen Situationen zu helfen und können eine wichtige Quelle sozialer Unterstützung sein.

Manche Menschen finden es mitunter hilfreich, Kontakt zu Patientenorganisationen oder Selbsthilfegruppen aufzunehmen. Bei diesen Gruppen finden sie Informationen über die Erkrankung und wie man mit ihr leben kann sowie damit verbundene Erfahrungen was die praktischen und emotionalen Aspekte der Erkrankung angeht.

Es kann auch dazu kommen, dass das Wissen, das veränderte Gen zu besitzen und es seinen Kindern weitergegeben zu haben, bei manchen Menschen Schuldgefühle und Ängste hinsichtlich der zukünftigen Gesundheit ihrer Kinder entstehen äßt. Machen Sie sich stets klar: Gene werden rein zufällig verteilt. Niemand trägt an einem veränderten Gen Schuld.

Für manche Menschen ist die Erfahrung, dass sie ein hohes Risiko für eine genetische Störung haben, wie eine Art “emotionaler Achterbahn“. Sie berichten von guten und von schlechten Tagen. Die meisten Menschen finden sich jedoch nach einiger Zeit mit ihrem Ergebnis ab und nutzen diese Information für ihre Zukunftsplanung.

Wie würde ich wohl darauf reagieren, wenn das Testergebnis lautet, dass ich das veränderte Gen nicht trage?

Für die meisten Menschen bringt die Nachricht, dass sie das veränderte Gen nicht besitzen, Freude und Erleichterung. Es gibt aber auch nicht selten Menschen, die über eine gewisse Niedergeschlagenheit nach dem genetischen Test berichten. Das mag daher rühren, dass sie bereits so lange mit dem Bewusstsein des Risikos gelebt haben, dass nun eine Neueinstellung erforderlich ist, und sie sich erst daran gewöhnen müssen, „normal“ zu sein. Manche Menschen empfinden sogar eine gewisse Enttäuschung darüber, dass die „gute Nachricht“ weniger positive Veränderungen in ihrem Leben mit sich bringt, als siesich davon erwartet hätten.

Für manche Menschen, die davon überzeugt waren, sie hätten das veränderte Gen, hat die Nachricht, dass dem nicht so ist, eine völlige Veränderung ihrer Lebensplanung mit sich gebracht. Andere wiederum fanden es schwierig, zu verkraften, dass sie nun wieder „eine Zukunft haben“.

Wiederum andere haben Schwierigkeiten, die “gute Nachricht” ihren Verwandten mitzuteilen. Ein „Überlebensschuldgefühl“ wird häufig von Menschen, die ein „gutes“ Testergebnis übermittelt bekommen, berichtet. Sie fragen sich, warum sie „verschont“ geblieben sind, wohingegen andere Familienmitglieder nicht. Es scheint manchmal schwer zu akzeptieren zu sein, dass man - im Gegensatz zu anderen - Glück gehabt hat.

Manche Menschen, die eine “gute Nachricht” erhalten haben, verspüren danach ein verstärktes Verantwortungsgefühl, sich um die Familienmitglieder zu kümmern, die von der Störung betroffen sind.

In jedem Fall bedarf es aber einer geraumen Zeit, die Ergebnisse eines genetischen Tests zu verarbeiten, auch wenn es sich dabei um eine „gute Nachricht” handelt.

d) Das Risiko Ihrer Kinder

Was bedeuten die Testergebnisse für Ihre Kinder (und zukünftige Kinder)?

Das Ergebnis Ihres genetischen Testverfahrens beinhaltet nicht nur die Information über Ihr Risiko, die genetische Störung zu entwickeln, es sagt auch etwas über das Risiko Ihrer Kinder aus.

Wenn Ihr Untersuchungsergebnis zeigt, dass Sie das veränderte Gen, das in Ihrer Familie existiert, nicht vererbt bekommen haben, dann haben Sie kein erhöhtes Risiko, die Krankheit zu entwickeln und Ihre Kinder können das Risiko auch nicht von Ihnen vererbt bekommen. Einfach deshalb, weil Sie kein verändertes Gen weitergeben können, das Sie gar nicht haben.

Fall Ihr Testergebnis beinhaltet, dass Sie das veränderte Gen besitzen, besteht die Möglichkeit, dass Ihre Kinder das veränderte Gen geerbt haben und ebenfalls ein Risiko haben, die Störung zu entwickeln. Ein Kind sollte jedoch erst dann einen präsymptomatischen genetischen Test machen, wenn es älter als 18 Jahre ist. Wenn für das Kind kein medizinischer Nutzen mit dem Test verbunden ist, wird empfohlen mit dem Test zu warten, bis das Kind alt genug ist, selbst die Entscheidung zu treffen. Als Ausnahme gilt, wenn für das Kind ein spezifischer medizinischer Nutzen besteht, einen prädiktiven genetischen Test durchzuführen.

Es kann äußerst schwierig sein, den vorliegenden genetischen Sachverhalt und prädiktive genetische Testergebnisse mit Kindern und Jugendlichen zu besprechen. Sie werden vermutlich viele Fragen stellen und es ist wichtig, diese Fragen so aufrichtig wie möglich, unter Berücksichtigung ihres Alters, und ihres Verständnisses zu beantworten.

Gibt es für mein Kind überhaupt eine Möglichkeit, zu vermeiden, betroffen zu sein?

Für einige genetische Störungen besteht die Möglichkeit, während der Schwangerschaft einen genetischen Test durchzuführen, um zu sehen, ob das Kind das veränderte Gen geerbt hat (Pränataldiagnose). Mehr Informationen dazu finden Sie in den Informationsblättern zur Amniozentese und zur Chorionzottenbiopsie (CVS) . Falls Sie der Ansicht sind, dass diese Verfahren für Sie in Frage kommen könnten, reden Sie mit Ihrer(m) Ärztin(Arzt) darüber, ob diese Untersuchungen für die Störung, die Ihnen Sorgen bereitet, anwendbar sind. Es wäre wichtig, dass Sie das - soweit möglich - vor Beginn der Schwangerschaft machen l ießen, wei l im Labor Aufbereitungsarbeiten an den Proben vorgenommen werden müssen, die manchmal mehrere Monate in Anspruch nehmen können.

e) Andere Familienmitglieder

Genetische Untersuchungen lassen in vielen Fällen Familien wieder stärker zusammenrücken. Die Familie ist oft eine wichtige Quelle für soziale und psychische Unterstützung. Es gibt aber auch Fälle, in denen solche Untersuchungen Spannungen und Komplikationen innerhalb von Familien hervorrufen. Es ist daher zu empfehlen, sich im Vorhinein darüber Gedanken zu machen, wie die genetische Untersuchung und ihre Ergebnisse das Verhältnis zu Ihrem Partner und zu anderen Familienmitgliedern beeinflussen könnte. Denken Sie daran, dass sich ein betroffenes Familienmitglied bereitfinden muss, sich untersuchen zu lassen, damit das veränderte Gen gefunden werden kann. Einem Familienmitglied diese Bitte vorzutragen kann enorm schwierig sein, weil zu manchen Familienmitgliedern manchmal kein Kontakt mehr besteht. Es kann auch schwierig sein, über Krankheiten zu sprechen, die in der Vergangenheit in der Familie aufgetreten sind, weil dadurch schmerzhafte Erinnerungen wieder aktualisiert werden. Fachärztinnen/-ärzte für Humangenetik können Ihnen in dieser Situation nützliche Ratschläge geben.

Manche Menschen möchten ihr Risiko für bestimmte genetisch bedingte Erkrankungen aus Sorge um ihre Familienangehörigen wissen, hingegen möchten andere keine genetische Untersuchung durchführen lassen, weil sie es vorziehen, ihr Risiko nicht zu kennen. Sie müssen sich dessen bewußt sein und sehr umsichtig vorgehen, weil Ihre Untersuchungsergebnisse ungewollt Informationen über das Risiko Ihrer Familienmitglieder enthalten können. Machen Sie sich stets klar, dass auch die Mitglieder derselben Familie unterschiedliche Einstellungen zu genetischen Untersuchungen haben können und dass man deren Einstellungen respektieren muss. Manchmal können genetische Untersuchungen auch „Familiengeheimnisse“ über Adoption und Vaterschaft offen legen, wenn z.B. Ihr biologischer Vater ist nicht der ist, von dem die Familie überzeugt ist, dass er es ist. Der Grund dafür ist, dass die Untersuchung auch die Familiengeschichte mit einbezieht und so erkennbar macht, dass Sie nicht die gleichen Gene wie Ihre Familienmitglieder haben. Auch über solche Möglichkeiten sollten Sie sich im Klaren sein, ehe Sie ein genetisches Testverfahren vornehmen lassen.

f) Datenschutz, Versicherung und Finanzierung

Datenschutz

Der Zugang zu Ihren genetischen Untersuchungsergebnissen ist geschützt. Ihr Arzt darf niemandem mitteilen, dass Sie eine genetische Untersuchung durchführen ließen oder gar Ihre Untersuchungsergebnisse ohne Ihre ausdrückliche Zustimmung an Dritte weitergeben.

Versicherung

Versicherungsunternehmen verlangen manchmal, dass Sie Informationen über Ihren oder den Gesundheitszustand Ihrer Angehörigen beibringen, wenn Sie eine Versicherung abschließen wollen, insbesondere dann, wenn dabei bestimmte finanzielle Größenordnungen überschritten werden. Zwischen den einzelnen Staaten bestehen erhebliche Unterschiede welche Art Informationen Versicherungsunternehmen oder Arbeitgeber zulässigerweise von Ihnen fordern dürfen. Machen Sie sich auf jeden Fall kundig, ob das auch für Ergebnisse genetischer Untersuchungen, die Sie bereits vorliegen haben oder nur für solche gilt, die Sie beabsichtigen in Zukunft vornehmen zu lassen. Fragen Sie Ihre/n Ärztin/Arzt danach und holen Sie Rechtsrat ein.

Finanzierung

Das Leben mit einer genetischen Störung kann durchaus finanzielle Probleme mit sich bringen. Betroffene können unter Umständen für längere Zeiträume nicht arbeiten oder müssen ganz aufhören zu arbeiten. Partner und andere Familienmitglieder finden es auch manchmal beschwerlich, ihre Arbeit und die Verpflichtung miteinander zu vereinbaren, ein Familienmitglied oder einen Partner zu versorgen und zu pflegen. Daher ist das Wissen um das Risiko, eine Krankheit zu entwickeln für manche Menschen wichtig, und ermöglicht ihnen rechtzeitig, die finanziellen sowie andere praktische Vorkehrungen für ihre Zukunft zu treffen.

g) Die zeitliche Wahl der Untersuchung

Wenn Sie sich entschlossen haben, eine Untersuchung vornehmen zu lassen, suchen Sie sich eine Zeit dafür aus, in der von außen kommende Störfaktoren minimiert werden können. Scheidung oder Trennung von einem Partner, beruflich angespannte Phasen u. ä. sollten besser während der Zeit, in der die Untersuchung stattfinden soll, nicht bestehen. Gleiches gilt für festliche Ereignisse wie Heirat oder die Geburt eines Kindes. Empfehlenswert ist es, für die gesamte Zeit bis zum Erhalt der Ergebnisse zu planen, weil Sie in jedem Fall stark emotional beteiligt sein werden, unabhängig vom Ergebnisinhalt.

Manchmal kann es hilfreich sein, eine grundsätzliche Entscheidung über eine genetische Untersuchung etwa der Art zu fällen: „Ich werde auf keinen Fall eine Untersuchung vor meinem 30. Geburtstag durchführen lassen!“, selbst wenn Sie diese jederzeit verändern können. Auf diese Weise können Sie das Problem erst einmal beiseite schieben und sich wieder Ihrer Zukunftsgestaltung zuwenden.

Wenn Sie aber die Untersuchungsergebnisse erst einmal vorliegen haben, dann gibt es kein Zurück mehr. Deshalb ist es so wichtig, dass Sie sich hinsichtlich Ihrer Entscheidung völlig sicher sind und auch, dass Sie Ihre Entscheidung mit einer/m Fachärztin/ -arzt für Humangenetik zuvor besprochen haben. Seien Sie sich darüber völlig im Klaren, einen Termin bei einer/m Fachärztin/ -arzt für Humangenetik in Anspruch zu nehmen, verpflichtet Sie keineswegs dazu, dann eine genetische Untersuchung auch durchführen zu lassen.

Weitergehende Informationen finden Sie unter:

Deutsche Huntington Gesellschaft e.V. www.huntington-hilfe.de

Deutsche Gesellschaft für Humangenetik (GfH) http://www.gfhev.de

European Society of Human Genetics: (ESHG) http://www.eshg.org

Orphanet http://www.orpha.net/de

Credits

Dieses Informationsblatt wurde durch die Genetic Interest Group (GIG), die Vereinigung Britischer Patientenorganisationen die Kinder, Familien und Einzelpersonen, die von genetischen Störungen betroffen sind, vertreten.

Übersetzung: Prof. Dr. R. Peter Nippert

Juni 2009

Dieser Text wurde mit Unterstützung von EuroGentest angefertigt, ein vom EU-FP6 gefördertes Network of Excellence, Kontrakt Nr: E 512148

Not all the leaflets are available in every language.

Select another language:

About EuroGentest
About Us
FAQ
Credits
LinkedIn
Policies
Privacy
Disclaimer
Accessibility
Standards Valid XHTML 1.0 Transitional Valid CSS!
Advertising
European Union
Contact Information
EuroGentest
Center for Human Genetics
University of Leuven
Herestraat 49 Box 602, 3000 Leuven, Belgium
webmastereurogentestorg, Tel: +32 16 340321, More...

Copyright EuroGentest2 Coordination Action 2011 - EU Contract no.: FP7 - HEALTH-F4-2010-261469