Erklärung genetischer Begriffe: Informationen für Patienten und ihre Familien

Amniozentese:
Eine Untersuchung, bei der eine Fruchtwasserprobe entnommen wird, um Gene oder Chromosomen eines ungeborenen Kindes zu untersuchen. Das Kind ist in der Fruchtblase (Amnionhöhle) von Fruchtwasser umgeben. Das Fruchtwasser enthält einige kindliche Hautzellen. Mit Hilfe einer dünnen Kanüle wird eine geringe Menge des Fruchtwassers durch die Bauchdecke der Mutter entnommen. Diese Probe wird zur Untersuchung an ein Labor gesandt. Weitere Informationen finden Sie im Informationsblatt: Amniozentese.
Anlageträger:
Eine Person, die im Allgemeinen von der Störung oder Erkrankung nicht betroffen ist, aber Träger einer veränderten Kopie eines Gens ist. Im Falle einer autosomal-rezessiven Störung oder Erkrankung ist diese Person in der Regel nicht betroffen; im Falle einer dominanten Störung, kann sie im späteren Leben von der Störung/ Erkrankung betroffen sein.
Autosomal - dominant vererbte Störung oder Erkrankung:
Es handelt sich um Störungen oder Erkrankungen, bei denen jemand nur eine veränderte Kopie (Mutation) eines Gens geerbt zu haben braucht, um von der Störung betroffen zu sein. Das veränderte Gen ist gegenüber dem unveränderten Gen dominant. Weitere Informationen finden Sie im Informationsblatt: Autosomal-dominanter Erbgang.
Autosomal - rezessiv vererbte Störung oder Erkrankung:
Es handelt sich um Störungen, bei denen jemand zwei veränderte Kopien (Mutationen) des gleichen Gens (von jedem Elternteil jeweils eine veränderte Kopie) geerbt haben muss, um von der Störung betroffen zu sein. Jemand, der nur eine Kopie des veränderten Gens besitzt, ist ein unbetroffener Anlageträger. Weitere Informationen finden Sie im Informationsblatt: Autosomal-rezessiver Erbgang.
Autosomal:
die Autosomen betreffend (alle Chromosomen mit Ausnahme der Geschlechtschromosomen).
Autosomen:
Wir besitzen 23 Chromosomenpaare. Die Paare der Nummern 1 bis 22 werden Autosomen genannt und sind bei Männern und Frauen gleich. Die Chromosomen des Paares Nummer 23 sind bei Männern und Frauen verschieden und werden als Geschlechtschromosomen bezeichnet.
Balancierte Translokation:
Eine Translokation, bei der kein Chromosomenmaterial verloren ging oder hinzugefügt wurde, sondern lediglich umgelagert wurde. Der Anlageträger einer balancierten Translokation ist davon in der Regel nicht beeinträchtigt.
Chorionzottenbiopsie (englisch):
chorionic villus sampling, CVS): Es handelt sich um ein Untersuchungsverfahren, das während der Schwangerschaft durchgeführt wird. Dabei werden Zellen des ungeborenen Kindes entnommen und daraufhin untersucht, ob eine bestimmte chromosomale oder monogene Störung oder Erkrankung vorliegt. Der sich entwickelnden Plazenta wird eine geringe Anzahl von Zellen entnommen und zur Untersuchung an ein Labor geschickt. Weitere Informationen finden Sie im Informationsblatt Chorionzottenbiopsie.
Chromosomen:
Es sind festverdrillte winzige Strukturen, die man unter dem Mikroskop sehen kann. Sie beinhalten die Gene. Beim Menschen beträgt die Chromosomenzahl normalerweise 46. Wir erben einen Satz von 23 Chromosomen von unserer Mutter und einen Satz von 23 Chromosomen von unserem Vater.
De novo:
Ein lateinischer Ausdruck, der “neu” bedeutet. Er wird verwendet, um eine neu aufgetretene s. Translokation zu kennzeichnen; d. h. beide Elternteile der betreffenden Person haben unveränderte Chromosomen.
Deletion:
Der Verlust eines Teil des genetischen Materials; der Begriff kann sowohl einen fehlenden Abschnitt eines Gens als auch eines Chromosoms bezeichnen. Weitere Informationen finden Sie im Informationsblatt "Chromosomale Störungen."
DNA:
Eine chemische Substanz aus der die Gene bestehen. Sie enthält die Informationen, die zum Funktionieren des Körpers notwendig sind.
Duplikation:
Die nicht der Norm entsprechende Wiederholung eines Abschnitts des genetischen Materials in einem Gen oder einem Chromosom. Weitere Informationen finden Sie im Informationsblatt ChromosomaleTranslokationen .
Eierstock/ Eierstöcke:
Organe im weiblichen Körper, die die Eizellen produzieren.
Eizelle:
Der mütterliche Beitrag zu der Zelle, aus der ein neues Kind entsteht. Die Eizelle enthält 23 Chromosomen; jeweils ein Chromosom von jedem Chromosomenpaar der Mutter. Die Eizelle verschmilzt mit einer Samenzelle und wird damit zu einer vollständigen Zelle. Aus dieser ersten Zelle entwickelt sich ein Kind.
Embryo:
Das frühe Stadium der menschlichen Entwicklung. Der Embryo entwickelt sich aus der ersten Zelle in der Frühphase der Schwangerschaft. Er entsteht nach der Befruchtung der Eizelle mit einer Samenzelle. Er sieht noch nicht wie ein Kind aus, besteht aber aus den Zellen, die sich zu einem Kind entwickeln.
Erbliche Störung oder Erkrankung:
eine Störung/ oder Erkrankung, die vererbt wird (die in Familien von Generation zu Generation weitergegeben wird).
Fehlgeburt:
Vorzeitiges Ende einer Schwangerschaft, bevor das Kind in der Lage ist, außerhalb der Gebärmutter zu überleben.
Fetus:
Die menschliche Entwicklungsperiode vom Ende der Embryonalphase - d.h. von der 9. Woche nach der Befruchtung - bis zur Geburt des Kindes.
Gebärmutter:
Der Körperteil einer Frau, in dem das Kind während der Schwangerschaft heranwächst.
Gene:
Die Informationen, die zum Funktionieren des Körpers erforderlich sind. Sie sind in chemischer Form (DNA) auf den Chromosomen gespeichert.
Genetisch:
durch Gene verursacht, die Gene betreffend.
Genetische Beratung:
Information und Unterstützung für Personen, die darüber besorgt sind, dass eine Störung oder Erkrankung erblich sein könnte.
Genetische Störung:
eine Störung oder Erkrankung, die durch ein verändertes Gen oder Chromosom verursacht ist.
Genetische Untersuchung:
Ein Untersuchungsverfahren zur Feststellung, ob in einem bestimmten Gen oder Chromosom eine Veränderung aufgetreten ist. Es handelt sich meist um eine Blut- oder Gewebeuntersuchung. Weitere Informationen finden Sie in dem Informationsblatt: Was ist eine genetisches Testverfahren?
Genetischer Berater:
In Deutschland eine Fachärztin/ ein Facharzt für Humangenetik, die Informationen und Unterstützung für Menschen anbieten, die wegen des Auftretens von Störungen oder Erkrankungen, die genetische Ursachen haben könnten, besorgt sind.
Geschechtschromosomale Störung oder Erkrankung:
s. X- chromosomale Störung oder Erkrankung.
Geschlechtschromosomen:
Es handelt sich um das X- Chromosom und das Y - Chromosom. Di e Geschlechtschromosomen sind dafür verantwortlich, ob eine Person männlich oder weiblich ist. Frauen haben zwei X- Chromosomen, Männer haben ein X- und ein Y-Chromosom.
Insertion:
Das Einfügen von zusätzlichem genetischem Material in ein Gen oder Chromosom. Weitere Informationen finden Sie in dem Informationsblatt: Chromosomale Translokationen.
Inversion:
Eine Veränderung in der Abfolge von Genen auf einem bestimmten Chromosom. Weitere Informationen finden Sie in dem Informationsblatt: Chromosomale Translokationen .
Karyotyp:
Die Darstellung des Chromosomensatzes einer Person, einschließlich der Zahl der Chromosomen, der Art der Geschlechtschromosomen (XX oder XY) und sämtlicher Abweichungen vom normalen Erscheinungsbild.
Konzeption:
Die Verschmelzung einer Eizelle mit einer Samenzelle wodurch die erste Zelle eines neuen Kindes entsteht.
Mutation:
die Veränderung eines Gens. Bei manchen Veränderungen eines Gens wird seine Information geändert, so dass es nicht mehr richtig funktioniert. Dadurch kann eine ge- netische Störung oder Erkrankung entstehen.
Nackentransparenz Untersuchung:
Eine Ultraschalluntersuchung des Nackens des Kindes, wo sich in der Frühschwangerschaft normalerweise ein mit Flüssigkeit gefüllter Spalt befindet. Wenn das Kind eine angeborene Störung oder Erkrankung hat (wie z.B. das Down Syndrom), kann dieser Spalt anomal vergrößert sein.
Negatives Untersuchungsergebnis:
Das Ergebnis einer Untersuchung, das zeigt, dass die untersuchte Person das veränderte Gen (die Mutation) nicht besitzt.
Plazenta:
ein Organ, das der Innenseite der Gebärmutter einer schwangeren Frau anliegt. Das Kind wird über die Plazenta ernährt. Die Plazenta wächst aus der befruchteten Eizelle und hat daher in der Regel dieselben Gene wie das Kind.
Positives Untersuchungsergebnis:
Ein Untersuchungsergebnis, das zeigt, dass die untersuchte Person die Veränderung (Mutation) des Gens aufweist.
Prädikt ive Untersuchung:
Eine genetische Untersuchung, die wegen einer genetisch bedingten Störung oder Erkrankung vorgenommen wird, die später im Leben auftreten wird oder auftreten könnte. Falls es sich um eine zukünftige Störung oder Erkrankung handelt, die nahezu mit Sicherheit eintreten wird, bezeichnet man sie auch als Präsymptomatische Untersuchung.
Pränatale Diagnose:
Eine während einer Schwangerschaft durchgeführte Untersuchung, die klären soll, ob das Kind eine genetische Störung oder Erkrankung hat oder nicht.
Präsymptomatische Untersuchung:
s. Prädiktive Untersuchung.
Reziproke Translokation :
Eine reziproke Translokation entsteht, wenn zwei Fragmente von zwei verschiedenen Chromosomen abbrechen und die Plätze tauschen. Weitere Informationen finden Sie im Informationsblatt: Chromosomale Translokation.
Ringchromosom:
Bei einem Ringchromosom verbinden sich die Enden eines Chromosoms miteinander in Ringform. Weitere Informationen finden Sie im Informationsblatt: Chromosomale Translokation.
Robertsonsche Translokation :
eine Robertsonsche Translokation liegt vor, wenn sich ein Chromosom an ein anderes anheftet. Weitere Informationen finden Sie in dem Informationsblatt: Chromosomale Translokation.
Spermium oder Samenzelle:
Der Beitrag des Vaters zu der Zelle, aus der sich ein neues Kind entwickelt. Jede Samenzelle enthält 23 Chromosomen, jeweils eins von jedem Chromosomenpaar des Vaters. Die Samenzelle verschmilzt mit der Eizelle zu einer vollständigen Zelle. Aus dieser ersten Zelle entwickelt sich das Kind.
Stammbaum:
Eine graphische Darstel lung Ihrer Familienangehörigen und Verwandtschaftsbeziehungen, die zeigt, welche Ihrer Verwandten die genetische Störung oder Erkrankung haben und welche nicht und wie Sie mit ihnen und miteinander verwandt sind.
Träger (einer chromosomalen Translokation):
Eine Person, die eine balancierte Translokation hat, bei der kein Chromosomenmaterial verlorenging oder hinzugefügt wurde und dadurch in der Regel selbst nicht betroffen ist.
Translokation:
Neuzusammensetzung chromosomalen Materials. Sie entsteht, wenn ein Stück eines Chromosoms abbricht und sich an ein anderes Chromosom anlagert und damit verbindet. Weitere Informationen finden Sie im Informationsblatt: Chromosomale Translokation.
Ultraschalluntersuchung :
ein schmerzloses Untersuchungsverfahren während der Schwangerschaft, das mit Hilfe von Ultraschallwellen Bilder des sich entwickelnden Kindes entstehen lässt. Dabei wird der Schallkopf über das Abdomen der Schwangeren bewegt oder in die Scheide eingeführt.
Unbalancierte Translokation:
Eine Translokation, bei der die Neuzusammensetzung des Chromosoms entweder zusätzliches oder fehlendes chromosomales Material oder beides aufweist. Weitere Informationen finden Sie im Informationsblatt: Chromosomale Translokation.
Uterus:
Medizinischer Fachausdruck für die Gebärmutter.
Vagina:
Die Verbindung zwischen der Gebärmutter einer Frau und dem Körperausgang, der Geburtskanal.
X-Chromosom:
Eines der Geschlechtschromosomen. Frauen haben normalerweise zwei X-Chromosomen. Männer haben ein X- und ein Y-Chromosom.
X-chromosomale Störungen:
eine genetische Störung, die durch eine Mutation (Veränderung) in einem Gen auf dem X- Chromosom hervorgerufen wird. X-chromosomale Störungen sind z.B. Hämophilie, Muskeldystrophie vom Typ Duchenne und das Fragile X Syndrom. Weitere Informationen finden Sie im Informationsblatt: X-chromosomaler Erbgang.
XX:
Damit werden die üblichen Geschlechtschromosomen einer Frau dargestellt. Frauen haben im Allgemeinen zwei X- Chromosomen. Jeder Elternteil gibt ein X-Chromosom an die Tochter weiter.
XY:
Damit werden die Geschlechtschromosomen eines Mannes dargestellt. Männer haben im Allgemeinen ein X- Chromosom und ein Y-Chromosom. Ein Mann erbt sein X- Chromosom von seiner Mutter und sein Y-Chromosom von seinem Vater.
Y-Chromosom:
Eines der Geschlechtschromosomen. Männer haben im Allgemeinen ein Y-Chromosom und ein X- Chromosom. Frauen haben im Allgemeinen zwei X- Chromosomen.
Zelle:
Der menschliche Körper besteht aus Millionen von Zellen, die als Bausteine fungieren. Die Zellen der verschiedenen Körperteile sind unterschiedlich und haben unterschiedliche Aufgaben. Jede Zelle (mit Ausnahme der Eizelle der Frau und der Samenzelle des Mannes) enthält zwei Kopien jedes Gens.
Zervixabstrich:
eine für alle Frauen empfohlene Untersuchung des Muttermundes, auf anomale Zellen am Gebärmuttereingang.

Credits

Bearbeitung eines Glossars der London IDEAS Genetischer Wissenspark, Vereinigtes Königreich

Januar 2008

Dieser Text wurde mit Unterstützung von EuroGentest angefertigt, ein vom EU-FP6 gefördertes Network of Excellence, Kontrakt Nr: E 512148

Übersetzung: Prof. Dr. R. Peter Nippert.

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