Erklärung genetischer Begriffe: Informationen für Patienten und ihre Familien
- Amniozentese:
- Eine Untersuchung, bei der eine Fruchtwasserprobe entnommen wird, um Gene oder Chromosomen eines ungeborenen
Kindes zu untersuchen. Das Kind ist in der Fruchtblase (Amnionhöhle) von Fruchtwasser umgeben. Das Fruchtwasser
enthält einige kindliche Hautzellen. Mit Hilfe einer dünnen Kanüle wird eine geringe Menge des Fruchtwassers
durch die Bauchdecke der Mutter entnommen. Diese Probe wird zur Untersuchung an ein Labor gesandt. Weitere
Informationen finden Sie im Informationsblatt: Amniozentese.
- Anlageträger:
- Eine Person, die im Allgemeinen von der Störung oder Erkrankung nicht betroffen ist, aber Träger einer
veränderten Kopie eines Gens ist. Im Falle einer autosomal-rezessiven Störung oder Erkrankung ist diese Person
in der Regel nicht betroffen; im Falle einer dominanten Störung, kann sie im späteren Leben von der Störung/
Erkrankung betroffen sein.
- Autosomal - dominant vererbte Störung oder Erkrankung:
- Es handelt sich um Störungen oder Erkrankungen, bei denen jemand nur eine veränderte Kopie (Mutation) eines
Gens geerbt zu haben braucht, um von der Störung betroffen zu sein. Das veränderte Gen ist gegenüber dem
unveränderten Gen dominant. Weitere Informationen finden Sie im Informationsblatt: Autosomal-dominanter Erbgang.
- Autosomal - rezessiv vererbte Störung oder Erkrankung:
- Es handelt sich um Störungen, bei denen jemand zwei veränderte Kopien (Mutationen) des gleichen Gens (von
jedem Elternteil jeweils eine veränderte Kopie) geerbt haben muss, um von der Störung betroffen zu sein. Jemand,
der nur eine Kopie des veränderten Gens besitzt, ist ein unbetroffener Anlageträger. Weitere Informationen
finden Sie im Informationsblatt: Autosomal-rezessiver Erbgang.
- Autosomal:
- die Autosomen betreffend (alle Chromosomen mit Ausnahme der Geschlechtschromosomen).
- Autosomen:
- Wir besitzen 23 Chromosomenpaare. Die Paare der Nummern 1 bis 22 werden Autosomen genannt und sind bei
Männern und Frauen gleich. Die Chromosomen des Paares Nummer 23 sind bei Männern und Frauen verschieden und
werden als Geschlechtschromosomen bezeichnet.
- Balancierte Translokation:
- Eine Translokation, bei der kein Chromosomenmaterial verloren ging oder hinzugefügt wurde, sondern lediglich
umgelagert wurde. Der Anlageträger einer balancierten Translokation ist davon in der Regel nicht beeinträchtigt.
- Chorionzottenbiopsie (englisch):
- chorionic villus sampling, CVS): Es handelt sich um ein Untersuchungsverfahren, das während der
Schwangerschaft durchgeführt wird. Dabei werden Zellen des ungeborenen Kindes entnommen und daraufhin
untersucht, ob eine bestimmte chromosomale oder monogene Störung oder Erkrankung vorliegt. Der sich
entwickelnden Plazenta wird eine geringe Anzahl von Zellen entnommen und zur Untersuchung an ein Labor
geschickt. Weitere Informationen finden Sie im Informationsblatt Chorionzottenbiopsie.
- Chromosomen:
- Es sind festverdrillte winzige Strukturen, die man unter dem Mikroskop sehen kann. Sie beinhalten die Gene.
Beim Menschen beträgt die Chromosomenzahl normalerweise 46. Wir erben einen Satz von 23 Chromosomen von unserer
Mutter und einen Satz von 23 Chromosomen von unserem Vater.
- De novo:
- Ein lateinischer Ausdruck, der “neu” bedeutet. Er wird verwendet, um eine neu aufgetretene s. Translokation
zu kennzeichnen; d. h. beide Elternteile der betreffenden Person haben unveränderte Chromosomen.
- Deletion:
- Der Verlust eines Teil des genetischen Materials; der Begriff kann sowohl einen fehlenden Abschnitt eines
Gens als auch eines Chromosoms bezeichnen. Weitere Informationen finden Sie im Informationsblatt "Chromosomale
Störungen."
- DNA:
- Eine chemische Substanz aus der die Gene bestehen. Sie enthält die Informationen, die zum Funktionieren des
Körpers notwendig sind.
- Duplikation:
- Die nicht der Norm entsprechende Wiederholung eines Abschnitts des genetischen Materials in einem Gen oder
einem Chromosom. Weitere Informationen finden Sie im Informationsblatt ChromosomaleTranslokationen .
- Eierstock/ Eierstöcke:
- Organe im weiblichen Körper, die die Eizellen produzieren.
- Eizelle:
- Der mütterliche Beitrag zu der Zelle, aus der ein neues Kind entsteht. Die Eizelle enthält 23 Chromosomen;
jeweils ein Chromosom von jedem Chromosomenpaar der Mutter. Die Eizelle verschmilzt mit einer Samenzelle und
wird damit zu einer vollständigen Zelle. Aus dieser ersten Zelle entwickelt sich ein Kind.
- Embryo:
- Das frühe Stadium der menschlichen Entwicklung. Der Embryo entwickelt sich aus der ersten Zelle in der Frühphase der Schwangerschaft. Er entsteht nach der Befruchtung der Eizelle mit einer Samenzelle. Er sieht noch nicht wie ein Kind aus, besteht aber aus den Zellen, die sich zu einem Kind entwickeln.
- Erbliche Störung oder Erkrankung:
- eine Störung/ oder Erkrankung, die vererbt wird (die in Familien von Generation zu Generation weitergegeben
wird).
- Fehlgeburt:
- Vorzeitiges Ende einer Schwangerschaft, bevor das Kind in der Lage ist, außerhalb der Gebärmutter zu
überleben.
- Fetus:
- Die menschliche Entwicklungsperiode vom Ende der Embryonalphase - d.h. von der 9. Woche nach der Befruchtung
- bis zur Geburt des Kindes.
- Gebärmutter:
- Der Körperteil einer Frau, in dem das Kind während der Schwangerschaft heranwächst.
- Gene:
- Die Informationen, die zum Funktionieren des Körpers erforderlich sind. Sie sind in chemischer Form (DNA) auf
den Chromosomen gespeichert.
- Genetisch:
- durch Gene verursacht, die Gene betreffend.
- Genetische Beratung:
- Information und Unterstützung für Personen, die darüber besorgt sind, dass eine Störung oder Erkrankung
erblich sein könnte.
- Genetische Störung:
- eine Störung oder Erkrankung, die durch ein verändertes Gen oder Chromosom verursacht ist.
- Genetische Untersuchung:
- Ein Untersuchungsverfahren zur Feststellung, ob in einem bestimmten Gen oder Chromosom eine Veränderung
aufgetreten ist. Es handelt sich meist um eine Blut- oder Gewebeuntersuchung. Weitere Informationen finden Sie
in dem Informationsblatt: Was ist eine genetisches Testverfahren?
- Genetischer Berater:
- In Deutschland eine Fachärztin/ ein Facharzt für Humangenetik, die Informationen und Unterstützung für
Menschen anbieten, die wegen des Auftretens von Störungen oder Erkrankungen, die genetische Ursachen haben
könnten, besorgt sind.
- Geschechtschromosomale Störung oder Erkrankung:
- s. X- chromosomale Störung oder Erkrankung.
- Geschlechtschromosomen:
- Es handelt sich um das X- Chromosom und das Y - Chromosom. Di e Geschlechtschromosomen sind dafür
verantwortlich, ob eine Person männlich oder weiblich ist. Frauen haben zwei X- Chromosomen, Männer haben ein X-
und ein Y-Chromosom.
- Insertion:
- Das Einfügen von zusätzlichem genetischem Material in ein Gen oder Chromosom. Weitere Informationen finden
Sie in dem Informationsblatt: Chromosomale Translokationen.
- Inversion:
- Eine Veränderung in der Abfolge von Genen auf einem bestimmten Chromosom. Weitere Informationen finden Sie
in dem Informationsblatt: Chromosomale Translokationen .
- Karyotyp:
- Die Darstellung des Chromosomensatzes einer Person, einschließlich der Zahl der Chromosomen, der Art der
Geschlechtschromosomen (XX oder XY) und sämtlicher Abweichungen vom normalen Erscheinungsbild.
- Konzeption:
- Die Verschmelzung einer Eizelle mit einer Samenzelle wodurch die erste Zelle eines neuen Kindes entsteht.
- Mutation:
- die Veränderung eines Gens. Bei manchen Veränderungen eines Gens wird seine Information geändert, so dass es
nicht mehr richtig funktioniert. Dadurch kann eine ge- netische Störung oder Erkrankung entstehen.
- Nackentransparenz Untersuchung:
- Eine Ultraschalluntersuchung des Nackens des Kindes, wo sich in der Frühschwangerschaft normalerweise ein
mit Flüssigkeit gefüllter Spalt befindet. Wenn das Kind eine angeborene Störung oder Erkrankung hat (wie z.B.
das Down Syndrom), kann dieser Spalt anomal vergrößert sein.
- Negatives Untersuchungsergebnis:
- Das Ergebnis einer Untersuchung, das zeigt, dass die untersuchte Person das veränderte Gen (die Mutation)
nicht besitzt.
- Plazenta:
- ein Organ, das der Innenseite der Gebärmutter einer schwangeren Frau anliegt. Das Kind wird über die
Plazenta ernährt. Die Plazenta wächst aus der befruchteten Eizelle und hat daher in der Regel dieselben Gene wie
das Kind.
- Positives Untersuchungsergebnis:
- Ein Untersuchungsergebnis, das zeigt, dass die untersuchte Person die Veränderung (Mutation) des Gens
aufweist.
- Prädikt ive Untersuchung:
- Eine genetische Untersuchung, die wegen einer genetisch bedingten Störung oder Erkrankung vorgenommen wird,
die später im Leben auftreten wird oder auftreten könnte. Falls es sich um eine zukünftige Störung oder
Erkrankung handelt, die nahezu mit Sicherheit eintreten wird, bezeichnet man sie auch als Präsymptomatische
Untersuchung.
- Pränatale Diagnose:
- Eine während einer Schwangerschaft durchgeführte Untersuchung, die klären soll, ob das Kind eine genetische
Störung oder Erkrankung hat oder nicht.
- Präsymptomatische Untersuchung:
- s. Prädiktive Untersuchung.
- Reziproke Translokation :
- Eine reziproke Translokation entsteht, wenn zwei Fragmente von zwei verschiedenen Chromosomen abbrechen und
die Plätze tauschen. Weitere Informationen finden Sie im Informationsblatt: Chromosomale Translokation.
- Ringchromosom:
- Bei einem Ringchromosom verbinden sich die Enden eines Chromosoms miteinander in Ringform. Weitere
Informationen finden Sie im Informationsblatt: Chromosomale Translokation.
- Robertsonsche Translokation :
- eine Robertsonsche Translokation liegt vor, wenn sich ein Chromosom an ein anderes anheftet. Weitere
Informationen finden Sie in dem Informationsblatt: Chromosomale Translokation.
- Spermium oder Samenzelle:
- Der Beitrag des Vaters zu der Zelle, aus der sich ein neues Kind entwickelt. Jede Samenzelle enthält 23
Chromosomen, jeweils eins von jedem Chromosomenpaar des Vaters. Die Samenzelle verschmilzt mit der Eizelle zu
einer vollständigen Zelle. Aus dieser ersten Zelle entwickelt sich das Kind.
- Stammbaum:
- Eine graphische Darstel lung Ihrer Familienangehörigen und Verwandtschaftsbeziehungen, die zeigt, welche
Ihrer Verwandten die genetische Störung oder Erkrankung haben und welche nicht und wie Sie mit ihnen und
miteinander verwandt sind.
- Träger (einer chromosomalen Translokation):
- Eine Person, die eine balancierte Translokation hat, bei der kein Chromosomenmaterial verlorenging oder
hinzugefügt wurde und dadurch in der Regel selbst nicht betroffen ist.
- Translokation:
- Neuzusammensetzung chromosomalen Materials. Sie entsteht, wenn ein Stück eines Chromosoms abbricht und sich
an ein anderes Chromosom anlagert und damit verbindet. Weitere Informationen finden Sie im Informationsblatt:
Chromosomale Translokation.
- Ultraschalluntersuchung :
- ein schmerzloses Untersuchungsverfahren während der Schwangerschaft, das mit Hilfe von Ultraschallwellen
Bilder des sich entwickelnden Kindes entstehen lässt. Dabei wird der Schallkopf über das Abdomen der Schwangeren
bewegt oder in die Scheide eingeführt.
- Unbalancierte Translokation:
- Eine Translokation, bei der die Neuzusammensetzung des Chromosoms entweder zusätzliches oder fehlendes
chromosomales Material oder beides aufweist. Weitere Informationen finden Sie im Informationsblatt: Chromosomale
Translokation.
- Uterus:
- Medizinischer Fachausdruck für die Gebärmutter.
- Vagina:
- Die Verbindung zwischen der Gebärmutter einer Frau und dem Körperausgang, der Geburtskanal.
- X-Chromosom:
- Eines der Geschlechtschromosomen. Frauen haben normalerweise zwei X-Chromosomen. Männer haben ein X- und ein
Y-Chromosom.
- X-chromosomale Störungen:
- eine genetische Störung, die durch eine Mutation (Veränderung) in einem Gen auf dem X- Chromosom
hervorgerufen wird. X-chromosomale Störungen sind z.B. Hämophilie, Muskeldystrophie vom Typ Duchenne und das
Fragile X Syndrom. Weitere Informationen finden Sie im Informationsblatt: X-chromosomaler Erbgang.
- XX:
- Damit werden die üblichen Geschlechtschromosomen einer Frau dargestellt. Frauen haben im Allgemeinen zwei X-
Chromosomen. Jeder Elternteil gibt ein X-Chromosom an die Tochter weiter.
- XY:
- Damit werden die Geschlechtschromosomen eines Mannes dargestellt. Männer haben im Allgemeinen ein X-
Chromosom und ein Y-Chromosom. Ein Mann erbt sein X- Chromosom von seiner Mutter und sein Y-Chromosom von seinem
Vater.
- Y-Chromosom:
- Eines der Geschlechtschromosomen. Männer haben im Allgemeinen ein Y-Chromosom und ein X- Chromosom. Frauen
haben im Allgemeinen zwei X- Chromosomen.
- Zelle:
- Der menschliche Körper besteht aus Millionen von Zellen, die als Bausteine fungieren. Die Zellen der
verschiedenen Körperteile sind unterschiedlich und haben unterschiedliche Aufgaben. Jede Zelle (mit Ausnahme der
Eizelle der Frau und der Samenzelle des Mannes) enthält zwei Kopien jedes Gens.
- Zervixabstrich:
- eine für alle Frauen empfohlene Untersuchung des Muttermundes, auf anomale Zellen am Gebärmuttereingang.
Credits
Bearbeitung eines Glossars der London IDEAS Genetischer Wissenspark, Vereinigtes Königreich
Januar 2008
Dieser Text wurde mit Unterstützung von EuroGentest angefertigt, ein vom EU-FP6 gefördertes Network of
Excellence, Kontrakt Nr: E 512148
Übersetzung: Prof. Dr. R. Peter Nippert.
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